Autorin

Porträt
Ela Jenni wurde 1979 im Kanton Schwyz geboren. Sie studierte Publizistik sowie Sozial- und Wirtschaftsgeschichte an der Universität Zürich. Dank ihrer langjährigen Tätigkeit in der Unternehmenskommunikation verfügt sie über Erfahrung in der Entwicklung klarer Botschaften sowie in einem souveränen Auftritt vor Publikum.
Die professionelle Nähe zu Sprache prägt auch ihr literarisches Schreiben und verleiht ihren Texten eine reflektierte, zugängliche und zugleich authentische Stimme. 2024 absolvierte sie den Diplomlehrgang Literarisches Schreiben und gab damit ihrer Leidenschaft für das Erzählen eine neue, bewusste Ausrichtung.
Debütroman
2026 veröffentlichte Ela Jenni mit «Weggewischt» ihr Debüt. Der Roman stiess bei Leserinnen und Lesern auf positive Resonanz und wurde insbesondere für seine authentische Figurenzeichnung und die aktuelle Thematik geschätzt.
Interview mit Schreibszene Ost
Ela Jenni im Gespräch mit Michèle Minelli am 6. April 2026
Liebe Ela, demnächst erscheint dein Romandebüt „Weggewischt“ – herzliche Gratulation! Welches war der bisher glücklichste Moment in seiner Entstehungsgeschichte?
Der glücklichste Moment war tatsächlich der, als ich das Buch zum ersten Mal in den Händen hielt. Zuvor gab es nur eine Idee, dann einen Plot und erste Szenen. Schreiben ist lange Zeit ein stiller Prozess. Man arbeitet mit seinen Gedanken und mit Figuren, die manchmal nicht entscheiden können, wie sie handeln wollen. Es gibt Tage, da füllen sich die Seiten fast von selbst. Und dann gibt es Tage, an denen man sich fragt, was man da eigentlich tut und ob man das Schreiben nicht doch besser bleiben lassen sollte. Und irgendwann ist dieser lange Weg tatsächlich zu Ende und man hält die Geschichte zwischen zwei Buchdeckeln in den Händen. Dieser Moment war überwältigend. Ich musste mich erst einmal hinsetzen und das Buch eine Weile einfach anschauen.
Magst du uns etwas dazu sagen, wie du deinen Verlag gefunden hast?
Ganz unspektakulär: Ich habe den Verlag einfach angeschrieben und mein Exposé mit einer Leseprobe eingereicht. Natürlich wusste ich, wie schwierig es ist, mit einem Debüt einen Verlag zu finden. Deshalb habe ich meine Erwartungen vorsichtshalber etwas heruntergeschraubt. Der boox-verlag für literarische Pioniere ist mir durch seinen sympathischen Auftritt auf der Website aufgefallen. Und natürlich auch deshalb, weil ich selbst eine literarische Pionierin bin. Als dann tatsächlich eine Rückmeldung kam, bin ich ins Appenzell gefahren, wo er beheimatet ist. Dem Verlag und mir war es wichtig, uns persönlich kennenzulernen und zu spüren, ob auch die Chemie stimmt. Schliesslich arbeitet man eine ganze Weile gemeinsam an einem Buch. Und ja, die Chemie hat gestimmt.
Wie lautet die Prämisse für deinen Roman? Worum geht es in deinem Debüt?
Im Kern geht es um ein psychologisches Paradox: Wenn wir zu viel Auswahl haben, entscheiden wir uns manchmal für gar nichts. Dafür gibt es sogar einen Namen: das Auswahlparadox. Ich habe dieses Phänomen auf das Online-Dating übertragen. Es gibt immer mehr Plattformen, und das Kennenlernen war technisch gesehen noch nie so einfach. Gleichzeitig bleiben viele Menschen allein. Dieser Widerspruch hat mich neugierig gemacht. In Weggewischt gehe ich ihm mit drei Romanfiguren nach: Sophie, die ihre Dates sorgfältig plant wie Projekte. Thiento, ein Koch, der in der Liebe nach derselben Würze sucht wie in seinen Gerichten. Und Loelia, die mal hier, mal dort ist und sich scheinbar nicht festlegen kann. Alle drei suchen online nach Nähe, Orientierung und vielleicht auch nach sich selbst.
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